| Politischer Konsum |
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Consumer Citizen machen Politik mit dem Einkaufskorb. Moral ist heute ein selbstverständlicher Teil des modernen Konsumalltags. Der Grund dafür ist nicht, dass die Konsumenten moralischer geworden sind oder nur noch moralisch konsumieren wollen. Vielmehr sind moralische Qualitäten ein selbstverständlicher Bestandteil von Gütern und Leistungen geworden. Produkte, aber auch Konsumgewohnheiten, werden heute vielfach "instinktiv" als gut oder böse eingestuft, also in moralischen Kategorien bewertet. Der unverstellte Blick auf die bundesdeutsche Konsumwirklichkeit zeigt, in welchem Ausmaß alltägliche Erwägungen und Meinungen im und zum Konsum bereits mit den großen gesellschaftlichen Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen verknüpft sind: Fische, die nicht überfischt sind, Bananen von Plantagen mit akzeptablen Arbeitsbedingungen, Kosmetik ohne Tierversuche, Gentechnik im Reis, Mineralwasser von nachhaltigen Unternehmen, Biertrinken für den Regenwald, T-Shirts in Deutschland genäht, Bankdienstleistungen für Muslime, Grüner Strom für das Klima, Atomstrom auch für das Klima, Äpfel aus der Region, Fast Food, das dick macht, Spielzeug aus China, Erdgasfahrzeuge, Hybridfahrzeuge, Bio-Diesel, Brennstoffzellen - oder ist Fahrradfahren nicht doch noch besser? Dies sind die beliebig weiter zu ergänzenden Stichworte, die auf eine inzwischen fast selbstverständliche auch moralisch-politische Interpretation der modernen Konsumwelt hinweisen. Konsumentscheidungen werden in modernen Wohlstandsgesellschaften vermehrt dazu genutzt, um bestimmte gesellschaftliche, soziale oder ökologische Veränderungen zu erreichen. Privater Konsum wird zu einer Ausdrucksform gesellschaftspolitischer Präferenzen und Meinungen, der Konsument wird zum Consumer Citizen. Er entwickelt hybride Präferenzen und verändert Marketing und Werbung. Lesen Sie mehr in einem Beitrag von Dr. Ingo Schoenheit: "Politischer Konsum – ein Beitrag zum faustischen Konsumverhalten", der 2007 in dem Buch "Ambivalenzen des Konsums und der werblichen Kommunikation" erschienen ist, das von Prof. Dr. Michael Jäckel herausgegeben wird.
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| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 10. Mai 2007 ) | |||||||




