Sustainability-linked Loan/Schuldscheindarlehen

Der neue Stern am Sustainable-Finance-Himmel?


26.05.2020

Immer mehr Unternehmen nutzen das historisch niedrige Zinsniveau zur Beschaffung von günstigem Fremdkapital und koppeln dazu noch ihre Nachhaltigkeitsperformance an die Zinsmarge. Mit diesem Modell, dem Sustainability-linked Loan (SLL) oder Sustainability-linked Schuldscheindarlehen (SSD), schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe.

 

Monetäre Anreize durch die Kopplung an Nachhaltigkeitskennzahlen

Ein Sustainability-linked Loan, auch ESG-linked Loan oder Positive Incentive Loan genannt, ist ein Kreditmodell, das durch die Kopplung der Zinsmarge an Nachhaltigkeitskennzahlen finanzielle Anreize für nachhaltiges unternehmerisches Wirtschaften schafft. Es belohnt Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsperformance während der Kreditlaufzeit verbessern, und bestraft gegebenenfalls diejenigen, die sich verschlechtern. Im Markt lassen sich aktuell zwei verschiedene Herangehensweisen beobachten: Unternehmen verknüpfen den Kredit mit einem ESG-Rating oder mit bestimmten KPIs. Die Mehrheit der Unternehmen legt ein oder sogar mehrere ESG-Ratings unabhängiger Nachhaltigkeits-Ratingagenturen zugrunde. Durch diese Methode ist sichergestellt, dass die Nachhaltigkeit der Unternehmensaktivitäten messbar und über einen längeren Zeitraum vergleichbar und transparent ist. Dies erfolgt anhand des in der Finanzbranche gängigen Dreiklangs ESG: Environment, Social und Governance. Im Gegensatz dazu koppeln Unternehmen wie Continental oder Lanxess die Zinsmarge an ihre eigens dafür entwickelten Nachhaltigkeitskennzahlen (Key Performance Indicators – KPIs). Um die grundlegenden Merkmale dieser Kreditprodukte zu definieren, hat die Loan Market Association (LMA) die Sustainability Linked Loan Principles (SLLP) geschaffen. Werden diese KPIs nicht von unabhängiger Seite auf deren Ambitionsniveau und Materialität geprüft, kann das Unternehmen und auch die begleitende Bank an Glaubwürdigkeit verlieren. Mithilfe beider Methoden werden der ESG-Score und die Basispunkte für die Zinssteigerung (Step-Up) bzw. die Zinssenkung (Step-Down) definiert. Ein Basispunkt (BPS) entspricht dabei 0,01 Prozent des Zinssatzes. Einmal jährlich führt eine Nachhaltigkeits-Ratingagentur, wie beispielsweise imug | rating, eine Überprüfung der ESG-Performance durch. Verbessert sich die ESG-Performance in einem festgelegten Zeitraum, hat das günstigere Zinskonditionen zur Folge, bspw. sinkt der Zinssatz um zwei Basispunkte, also um 0,02 Prozent. Für das Unternehmen hat das zwei Vorteile: es nutzt den Niedrigzins, um relativ günstig finanziellen Spielraum zu gewinnen und kann gleichzeitig an Kunden und Investoren kommunizieren, dass es mit seinen Geschäftsaktivitäten zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise beiträgt.

Ein neuer Stern am Himmel

Als erstes Unternehmen hat das niederländische Unternehmen Philips im April 2017 ein solches Finanzierungsmodell genutzt. Es folgte ein 2 Mrd. EUR syndizierter Kredit von Danone mit zwölf Banken auf der Basis von zwei ESG-Ratings von Vigeo Eiris und Sustainalytics. Seitdem wächst der Markt für Sustainability-linked Loans rasant. Den Auftakt im deutschen Markt gab Ende 2018 das Düsseldorfer Unternehmen Henkel mit einem 1,5 Mrd. EUR schweren Darlehen. Im Jahr 2019 haben neben Continental und Lanxess auch die Deutsche Börse, Dürr, Voith und Teléfonica Deutschland einen ESG-linked Loan aufgenommen. Dabei ist zu beobachten, dass diese Entwicklung auf eine hohe Nachfrage trifft und wie im Fall von Continental zu einer deutlichen Überzeichnung der Syndizierung des Kredites führt. Des Weiteren kann die Aufnahme eines ESG-linked Loans auch ein klares Zeichen des Unternehmens an die Öffentlichkeit sein, die Relevanz und Dringlichkeit von nachhaltigem Wirtschaften ernst zu nehmen. Eine Studie zeigt, dass gerade das Rückgrat der Deutschen Wirtschaft – der Deutsche Mittelstand – noch dabei ist, Nachhaltigkeit in die Geschäftstätigkeit zu integrieren. Dabei setzen einige Unternehmen aufgrund ihrer regionalen Verwurzelung bereits vereinzelte Nachhaltigkeitsmaßnahmen in ihrem Wirkungskreis um und sind vor allem im Bereich Gesellschaft aktiv. Jedoch veröffentlichen viele kleine und mittlere Unternehmen keinen Nachhaltigkeitsbericht: Im Geschäftsjahr 2018 haben nur 50 % der SDAX-Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. Zudem geben die Mittelständler an, nicht genug frei verfügbare Mittel zu haben, es fehlt an Zeit und Personal. Meist übernehmen Mitarbeitende aus der Personal- oder Marketingabteilung zusätzlich zum normalen Arbeitspensum die Aufgaben eines Nachhaltigkeitsmanagers. Zudem sind Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten bisher noch nicht verpflichtet, ihre nichtfinanziellen Kennzahlen zu veröffentlichen, dennoch stehen sie – meist als Zulieferer börsennotierter Unternehmen – immer mehr in der Pflicht, Nachhaltigkeitskennzahlen zu liefern.

Chance für Deutschen Mittelstand

Auch aus der Finanzperspektive wird Nachhaltigkeit für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) zum Top-Thema. Eine fehlende Adressierung von Nachhaltigkeitsthemen wird von Investoren, Banken und Kreditgebern zunehmend als bedeutsamer Risikofaktor eingestuft. Zudem setzen bestehende (internationale) ESG-Ratingmethoden den Fokus auf große börsennotierte Unternehmen. imug | rating sieht hier dringenden Handlungsbedarf und hat deshalb ein Nachhaltigkeits-Rating auf deutsche KMUs zugeschnitten. Dabei wird die unternehmerische Nachhaltigkeitsleistung in einem ganzheitlichen Ansatz bewertet, der aus einer Untersuchung der ESG-Managementleistung, kontroversen Aktivitäten und einer Beurteilung der angebotenen Produkte und Dienstleistungen aus Nachhaltigkeitssicht besteht. Das Nachhaltigkeits-Rating kann zur Kommunikation an nachhaltige Investoren dienen, aber auch als Bewertungsgrundlage nachhaltiger Finanzierungsinstrumente (Sustainability-linked Loan, ESG-linked Schuldschein, etc.) genutzt werden. Ein prominentes Beispiel: Im Dezember 2019 erstellte imug | rating ein Nachhaltigkeits-Rating des Nürnberger Schreibgeräteherstellers Faber-Castell AG, das die Grundlage für den gemeinsam mit der DZ BANK AG und der UniCredit Bank AG begebenen ESG-Linked Schuldschein bildet. Bis zum Laufzeitende wird imug | rating regelmäßig die ESG-Performance überprüfen, wonach die Zinsmarge angepasst wird – zum Vor- oder Nachteil des Emittenten.


imug | rating – Second Party Opinions für Green Bonds & Social Bonds

Grüne und nachhaltige Anleihen bilden ein boomendes Segment des Anleihemarktes. Die weltweiten Emissionen für diese relativ neue Finanzierungsmöglichkeit für Unternehmen wächst kontinuierlich. In den letzten Jahren findet zudem eine Auffächerung der Begriffe und Themen statt: Neben dem etablierten Green Bond halten auch die Bezeichnungen Social Bond, Sustainability Bond oder Grüner Schuldschein Einzug. Bei all diesen Anleiheformen fehlen Investoren aber oftmals valide Informationen zu Transparenz und Glaubwürdigkeit. Gemeinsam mit Vigeo Eiris bietet imug | rating eine kompetente Begleitung und Unterstützung von nachhaltigen Anleiheemissionen an.

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