Herausforderungen des ESG-Managements für KMU

Gastbeitrag im Bondguide


April 2022

Johannes Bayer, Janik Seiffert

Das Thema Nachhaltigkeit für mittelständische Unternehmen und KMU hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. In der Vergangenheit mussten insbesondere große, kapitalmarktorientierte Unternehmen über nichtfinanzielle Aspekte berichten. Dies wurde von der EU im Rahmen der nichtfinanziellen Berichterstattung (NFRD) vorgegeben und in Deutschland in Form des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes (CSR-RUG) umgesetzt. Im Rahmen einer Novellierung wurde die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erarbeitet, nach welcher ab 2024 u. a. auch Unternehmen mit mehr als 250 Angestellten über nichtfinanzielle Aspekte berichten müssen.

In einigen Unternehmen werden bereits relevante Maßnahmen umgesetzt und ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement betrieben. Die Qualität der Berichterstattung über ebendieses fällt dabei unterschiedlich aus: Nicht alle Unternehmen berichten bereits in einem zufriedenstellenden Maß über das jeweilige Nachhaltigkeitsengagement. Diesbezüglich sollten Unternehmen darauf achten, dass ein Nachhaltigkeitsbericht weniger ein Marketingtool darstellt, sondern zur zielgerichteten Darstellung wesentlicher Nachhaltigkeitsaspekte verwendet werden sollte. In der Regel versuchen Unternehmen, sich durch ihre Nachhaltigkeitsberichte besonders positiv darzustellen. Dies lässt sich beispielsweise an der Ausweisung der Sustainable Development Goals (SDGs) erkennen. In diesem Kontext wird beinahe ausschließlich der positive Einfluss auf die einzelnen SDGs dargestellt, wohingegen ein potenzieller negativer Einfluss nur in Ausnahmefällen kommuniziert wird.

Effektives Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet, Risiken zu identifizieren

Die Risiken des Geschäftsgebarens auf Nachhaltigkeitsaspekte sind aber ein wichtiger Bestandteil einer guten Berichterstattung. Eine gute Berichterstattung greift somit alle wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekte auf, ergänzt die Themenbereiche mit quantitativen Zielvorgaben und gibt Auskunft über den aktuellen Stand der Umsetzung in Form eines Zielabgleichs. Die Darstellung von Umweltkennzahlen mit historischen Trenddaten ist ein weiteres Qualitätsmerkmal. Orientierung darüber, wie eine gute Berichterstattung erfolgen kann, liefern etwa der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) und die Global Reporting Initiative (GRI). Im Rahmen der strategischen Ausrichtung des Nachhaltigkeitsmanagements ist die Bedeutung einer fundierten Wesentlichkeitsanalyse herauszustellen. Dieses Instrument stellt den Ausgangspunkt eines jeden (guten) Nachhaltigkeitsmanagements dar und ist daher die Grundlage einer sorgfältigen Identifizierung der materiellen Nachhaltigkeitsrisiken des jeweiligen Geschäftsmodells. In der Praxis sind die herausgefilterten Risiken – trotz durchgeführter Wesentlichkeitsanalyse – nicht immer elementar. Um dem entgegenzuwirken und die Qualität der Wesentlichkeitsanalyse zu erhöhen, sind die Befragung von Stakeholdern sowie der Einbezug von externen Organisationen zu empfehlen. Ein Abgleich mit spezifischen, wissenschaftlich fundierten Branchenkriterien kann zudem über das Sustainability Accounting Standards Board (SASB) erfolgen.

Um das durch die Wesentlichkeitsanalyse gestärkte Nachhaltigkeitsmanagement anschließend möglichst effektiv zu gestalten, ist die Verantwortung für ebendieses im besten Falle auf oberster Führungsebene verankert.

Compliance Management, Klimaziele, Wasserverbrauch – es besteht Nachholbedarf

Neben diesen grundsätzlichen Verbesserungspotenzialen des Nachhaltigkeitsmanagements gibt es auch in spezifischeren ESG-Bereichen Verbesserungspotenzial für KMU und mittelständische Unternehmen. Hierzu drei Beispiele:

Im Bereich Compliance und insbesondere bei Antikorruption ist zu beobachten, dass gerade sehr kleine Organisationen noch kein Compliance-Management-System implementiert haben, größere Organisationen – etwa ab 200 Angestellten – hingegen schon. Die Implementierung eines Compliance-Management-Systems ist auch für kleine Unternehmen von Bedeutung, um unlauteren Geschäftsgebaren vorzubeugen.

Weiterhin kann beobachtet werden, dass zwar Klimaziele verabschiedet werden, diese aber nicht immer wissenschaftlich, anhand eines 1,5-Grad-Szenarios, abgeleitet wurden. Hierbei ist die Zusammenarbeit mit externen Organisationen wie beispielsweise Science-Based Targets vorzuschlagen.

Verbesserungspotenzial besteht noch in einem weiteren Thema, welches vor allem in Zukunft von elementarer Bedeutung sein wird: Wasser. Nur ein Bruchteil der Unternehmen greift diesen Aspekt auf und berichtet über umgesetzte Maßnahmen. Dabei ergeben Recherchen, dass das Thema Wasser beinahe für jede Branche direkt oder indirekt von großer Bedeutung ist. Vor allem Unternehmen, die in Wasserstressregionen agieren, stehen hier in der Verantwortung.

Fazit

Diese Ausführungen zu Hürden für KMU und Mittelständler hin zu einem umfassenden ESG-Management sind nicht als vollständig zu betrachten. Vielmehr sollte dieser Artikel exemplarisch auf die bestehenden Herausforderungen hinweisen, die für kleine und mittlere, aber auch größere Unternehmen hinsichtlich des Nachhaltigkeitsmanagements bestehen. Es soll auch nicht der Eindruck entstehen, dass KMU bisher nicht schon Beachtliches in diesem Bereich leisten, sondern auf das weitere Verbesserungspotenzial hingewiesen werden. Von einem guten ESG-Management profitiert schließlich nicht nur ein Unternehmen, sondern auch die Umwelt und die Gesellschaft.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Bondguide (Ausgabe April 2022).


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